Finde hier alle Neuigkeiten aus der Fakultät Management- und Kulturwissenschaften

05. November 2026

Masterstudierende beim Kongress in Göttingen

Masterstudierende verbinden Gesundheitsforschung, KI und Praxis in Göttingen.

Görlitzer Masterstudierende beim Kongress in Göttingen

Autor: Dr. Daniel Reimann
Bilder: Dr. Daniel Reimann

Elf Studierende des Masterstudiengangs „Management im Gesundheitswesen“ der Hochschule Zittau/Görlitz nutzten zu Beginn des Wintersemesters die Gelegenheit, aktuelle Entwicklungen der Gesundheitswissenschaften dort zu erleben, wo sie diskutiert werden: in der wissenschaftlichen Fachcommunity. Gemeinsam mit Exkursionsleiter Dr. Daniel Reimann nahmen sie vom 30. September bis 2. Oktober 2026 am Kongress „Gesundheit gestalten – Gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ in Göttingen teil.

Die Exkursion der Seminargruppe WGm25 verband damit Inhalte des Studiums mit aktuellen Debatten aus Forschung und Praxis. Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung standen dabei ebenso im Blickfeld wie gesellschaftlicher Wandel, neue technologische Möglichkeiten und die Frage, wie unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen gemeinsam Lösungen für komplexe Herausforderungen entwickeln können.

Für die Studierenden bot die Teilnahme damit mehr als fachlichen Input: Ein wissenschaftlicher Kongress macht sichtbar, wie Erkenntnisse entstehen, wie unterschiedliche Perspektiven miteinander in Austausch treten und wie Forschungsergebnisse ihren Weg in praktische Handlungsfelder finden. Genau an dieser Schnittstelle setzt auch das Studium des Gesundheitsmanagements in Görlitz an.

Vier Fachgesellschaften, viele Perspektiven auf Gesundheit

Rund 1.500 Teilnehmende kamen zum Kongress in Göttingen zusammen. Erstmals richteten vier Fachgesellschaften die Tagung gemeinsam aus: die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), die Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk).

Schon diese Zusammensetzung verdeutlichte den interdisziplinären Anspruch der Veranstaltung. Gesundheit lässt sich weder ausschließlich medizinisch noch allein aus ökonomischer, sozialwissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Perspektive betrachten. Fragen der Versorgung und Prävention treffen auf soziale Bedingungen von Gesundheit, wissenschaftliche Evidenz auf konkrete Entscheidungsprozesse und neue technologische Möglichkeiten auf ethische und organisatorische Herausforderungen.

Für angehende Fach- und Führungskräfte im Gesundheitswesen ist gerade dieses Zusammenspiel verschiedener Perspektiven relevant. Managemententscheidungen im Gesundheitsbereich finden in komplexen Systemen statt. Sie erfordern nicht nur betriebswirtschaftliches Wissen, sondern auch Verständnis für gesundheitliche, soziale und organisatorische Zusammenhänge sowie die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse einzuordnen und auf konkrete Situationen zu übertragen.

Der Kongress machte diese Vielfalt unmittelbar erlebbar. Die Studierenden konnten Themen aus ihrem Studium in einem größeren fachlichen Kontext betrachten und zugleich erleben, wie Forschende und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsame Fragestellungen diskutieren. Damit wird wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht zum abstrakten Teil eines Curriculums, sondern zu einem Bestandteil professioneller Praxis.

Diese Verbindung entspricht zugleich dem Selbstverständnis der Fakultät Management- und Kulturwissenschaften: Fachwissen wird nicht isoliert betrachtet, sondern mit gesellschaftlichen Fragestellungen, Managementprozessen und praktischer Anwendung verknüpft. Gerade im Schwerpunkt Gesundheit zeigt sich, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit dazu beitragen kann, Veränderungsprozesse in Organisationen und Versorgungssystemen fundiert zu gestalten.

Künstliche Intelligenz: Lehre gemeinsam weiterdenken

Die Hochschule Zittau/Görlitz war auch selbst am wissenschaftlichen Programm beteiligt. Dr. Daniel Reimann wirkte am Symposium „Kompetent mit KI lehren und lernen“ mit. Gemeinsam mit Lehrenden und Forschenden anderer Hochschulen gestaltete er einen offenen Austausch über die Frage, wie künstliche Intelligenz sinnvoll in Studium und Lehre eingesetzt werden kann.

Im Mittelpunkt standen dabei praktische Einsatzmöglichkeiten: Wie können KI-Werkzeuge die Entwicklung von Lernmaterialien unterstützen? Welche neuen Lehr- und Lernformate werden möglich? Wie verändern sich Prüfungen? Und welche Kompetenzen benötigen Studierende und Lehrende, um die Ergebnisse künstlicher Intelligenz kritisch bewerten und verantwortungsvoll nutzen zu können?

Gerade diese letzte Frage gewinnt für Hochschulen zunehmend an Bedeutung. Technische Möglichkeiten allein machen noch keine gute Lehre. Entscheidend ist, welchen didaktischen Zweck ein Werkzeug erfüllt, wo es Lernprozesse sinnvoll unterstützt und an welchen Stellen die eigenständige fachliche Auseinandersetzung unverzichtbar bleibt. Ein kompetenter Umgang mit KI bedeutet deshalb nicht nur, Anwendungen bedienen zu können. Er umfasst ebenso die Fähigkeit, Ergebnisse einzuordnen, Grenzen zu erkennen, wissenschaftliche Qualitätsmaßstäbe anzuwenden und den eigenen Arbeitsprozess zu reflektieren.

Der Austausch in Göttingen zeigte damit ein Thema, das weit über einzelne technische Werkzeuge hinausgeht: Hochschullehre verändert sich gemeinsam mit den Arbeitswelten, auf die sie vorbereitet. Wenn künstliche Intelligenz zunehmend Bestandteil beruflicher Praxis wird, müssen Hochschulen Räume schaffen, in denen Studierende einen fachlich fundierten und reflektierten Umgang damit entwickeln können.

Für die Fakultät Management- und Kulturwissenschaften verbindet sich dieser Anspruch mit einer Lehre, die Veränderungen nicht nur beschreibt, sondern Studierende befähigt, Transformation selbst mitzugestalten. Die Diskussion über KI in der Lehre steht exemplarisch dafür: Innovation wird nicht um ihrer selbst willen eingesetzt, sondern danach beurteilt, welchen Beitrag sie zu Lernen, wissenschaftlichem Arbeiten und professioneller Handlungskompetenz leisten kann.

Die Kraft der Kunst für Gesundheit und Prävention

Einen weiteren besonderen Akzent setzte das Symposium „Die Kraft der Kunst für die Gesundheit“ zu Ehren von Prof. Dr. Yve Stöbel-Richter. Dr. Daniel Reimann gehörte auch hier zu den Mitwirkenden.

Das Symposium verband die Würdigung des wissenschaftlichen und künstlerischen Schaffens von Yve Stöbel-Richter mit aktuellen Forschungsperspektiven und Praxisprojekten. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Bedeutung Kunst als Ressource für Gesundheitsförderung und Prävention entfalten kann.

Damit rückte ein Themenfeld in den Fokus, das beispielhaft zeigt, wie breit Gesundheitswissenschaften heute gedacht werden. Gesundheit wird nicht ausschließlich durch medizinische Versorgung beeinflusst. Individuelles Wohlbefinden, soziale Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe, kulturelle Erfahrungen und Möglichkeiten des persönlichen Ausdrucks können ebenfalls eine Rolle spielen. Kunst eröffnet hier besondere Zugänge: Sie kann Kommunikation ermöglichen, Reflexionsprozesse anregen und Erfahrungsräume schaffen, die mit klassischen Formen der Gesundheitsförderung nicht immer erreichbar sind.

Für Studierende des Gesundheitsmanagements ist ein solcher Perspektivwechsel besonders wertvoll. Wer später Prozesse, Projekte oder Organisationen im Gesundheitswesen mitgestaltet, bewegt sich zwischen unterschiedlichen Fachlogiken und Interessen. Innovative Ansätze entstehen häufig gerade dort, wo etablierte Grenzen zwischen Disziplinen überschritten werden.

Das Symposium machte damit zugleich deutlich, dass Innovation im Gesundheitswesen nicht ausschließlich technologisch verstanden werden sollte. Neue Lösungen können ebenso aus sozialwissenschaftlichen, kulturellen oder kreativen Perspektiven hervorgehen. Entscheidend ist die Frage, welchen Beitrag sie zur Gesundheit von Menschen und zu einer zukunftsfähigen Gestaltung von Versorgung und Prävention leisten.

Exkursion als Teil praxisnaher Hochschullehre

Die Kongressteilnahme in Göttingen steht damit beispielhaft für eine Form des Lernens, bei der wissenschaftliches Wissen, aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und berufliche Praxis zusammenkommen.

Lehrveranstaltungen vermitteln dafür theoretische Grundlagen und methodische Kompetenzen. Exkursionen zu Fachveranstaltungen erweitern diesen Lernraum: Studierende begegnen aktuellen Forschungsfragen, unterschiedlichen Fachkulturen und Debatten, die zum Teil erst später Eingang in Lehrbücher finden. Sie können beobachten, welche Themen eine Fachcommunity beschäftigen, wie wissenschaftliche Positionen begründet werden und an welchen Stellen noch offene Fragen bestehen.

Gerade ein Studiengang wie „Management im Gesundheitswesen“ profitiert von diesem Austausch. Das Gesundheitswesen verändert sich kontinuierlich. Demografische Entwicklungen, Fachkräftebedarf, Digitalisierung, Prävention, neue Versorgungsmodelle und technologische Innovationen stellen Organisationen vor Aufgaben, für die es selten einfache Lösungen gibt. Umso wichtiger ist es, zukünftige Fach- und Führungskräfte darauf vorzubereiten, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Entscheidungen auf einer fundierten Grundlage zu treffen.

Die Exkursion nach Göttingen unterstützte genau diesen Anspruch. Sie eröffnete Einblicke in die Vielfalt gesundheitswissenschaftlicher Themen und in die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen. Zugleich konnten die Studierenden erleben, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht losgelöst von Praxis entstehen, sondern Teil gesellschaftlicher Aushandlungs- und Veränderungsprozesse sind.

Für die weitere Studienzeit liefert der Kongress damit neue fachliche Impulse. Zugleich zeigt die Exkursion, wofür praxisorientierte Hochschullehre stehen kann: Studierende verlassen den Seminarraum, treten mit aktuellen wissenschaftlichen Diskursen in Kontakt und erweitern ihren Blick auf das eigene Fachgebiet.

So wird aus einer Exkursion ein Lernraum, in dem Theorie und Praxis, Forschung und Anwendung sowie unterschiedliche Disziplinen miteinander verbunden werden – und in dem Studierende Kompetenzen entwickeln können, die sie für die Gestaltung eines Gesundheitswesens im Wandel benötigen.

Weiterführende Links
fachliche Ansprechperson
Dr. rer. medic.
Daniel Reimann
Fakultät Management- und Kulturwissenschaften
02826 Görlitz
Furtstraße 3
Gebäude G IV, Raum 2.05.4
2. Obergeschoss
+49 3581 374-4947