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29. November 2022

Bluebox vs. Labyrinth – zwei Lehrgebäude im Vergleich

Unsere Lehrgebäude G I und G II könnten unterschiedlicher nicht sein, doch beide tragen wesentlich zur Atmosphäre des Studierens an unserer Fakultät bei. Durch abwechselnden Unterricht in beiden Gebäuden wird es uns diesbezüglich nie langweilig.


geteiltes Bild mit Blick auf die Gänge der Gebäude, links vom Haus 2 und rechts vom Haus 1

Studieren mit Tradition und Fortschritt: zwei Lehrgebäude im Vergleich

Autorin: Susanna Marek
Fotos: Susanna Marek

Das Studium an der Fakultät Management- und Kulturwissenschaften in Görlitz wird durch den Unterricht an zwei sehr unterschiedlichen Lehrgebäuden geprägt. Ich zeige euch, was der Wechsel zwischen zwei Gebäuden für Studierende bedeuten kann. Vorab solltet ihr jedoch etwas über die Geschichte der HSZG wissen.

Unsere Hochschule blickt auf eine lange Tradition im Bildungswesen zurück. Schwerpunkte beider Standorte lagen dabei im Bereich Bau- und Ingenieurswesen. 1992 entschied der Deutsche Wissenschaftsrat, die Technische Hochschule Zittau und die Görlitzer Ingenieurschule für Elektrotechnik und Informationsverarbeitung zusammenzulegen. Nach Änderungen und Erweiterung des Studienangebots wurde 1997 die Hochschule Zittau/ Görlitz – University of Applied Sciences geboren.

Die Studierenden unserer Fakultät werden seit 2012 am Campus in Görlitz unterrichtet. Zwei der Lehrgebäude, in denen wir Studis der F-MK lernen, könnten unterschiedlicher nicht sein: Haus G II ist als Altbau ein imposantes Gebäude mit historischem Flair, Haus G I hingegen ein moderner Neubau in futuristischem Stil. Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei!

Das Lehrgebäude G II – Studieren in historischer Kulisse

Wer sich für historische Bauwerke interessiert, ist an unserer Fakultät im Lehrgebäude G II richtig aufgehoben. Im Folgenden gebe ich euch einen kurzen Abriss über dessen Geschichte.

1914 wurde das vom Architekten Paul Gerhard Röhr entworfene Gebäude fertiggestellt. Den Auftrag zum Bau gab die Rothenburger Versicherungsanstalt, die das Haus dann für 30 Jahre nutzte. Es wurde also nicht als Lehrgebäude entworfen und das erkennt man auch an einigen Stellen aber dazu später mehr.

Die 1898 gegründete „staatliche Maschinenbauschule“ verlor mit dem Oder – Neiße - Abkommen nach dem Krieg den Zugriff auf ihr Haus im heute polnischen Teil von Görlitz. Als neues Lehrgebäude wurde die Immobilie der Rothenburger Versicherungsanstalt ausgewählt. 1951 begann somit die Ausbildung in der neu gegründeten „Fachschule für Schienenfahrzeugbau“ im Gebäude auf der Brückenstraße. Ein Jahr später teilte sich diese das Haus mit der, ebenfalls soeben gegründeten, „Ingenieurschule für Elektronik“ (später als „Ingenieurschule für Elektronik und Informationsverarbeitung“). Bis zur Wende wurden an diesem Standort die Auszubildenden in Maschinenbau, Elektronik und EDV unterrichtet.

Mit der Zusammenlegung der Schulen in Zittau und Görlitz wurde auch das Lehrgebäude übernommen, zunächst als Standort für die Lehre von Informatik, später u.a. auch für Kultur- und Management. Heute haben alle Studis der Fakultät MK das Privileg, mehrere Stunden in der Woche ein Teil der langen Geschichte des Lehrgebäudes G II zu sein.

Doch was macht das Lehrgebäude so besonders, etwa nur sein Alter? Selbstverständlich nicht.

Der Gebäudekomplex grenzt an den Stadtpark. Er befindet sich an der Brückenstraße Ecke Furtstraße und besteht aus zwei Häusern, die miteinander über einen zweistöckigen Gang verbunden sind. Diese Verbindung bildet eine Hofeinfahrt auf den Campus und ist mit Ornamenten und zwei Putten geschmückt.

Beide Häuser unterscheiden sich in ihrem Aufbau, bilden aber durch Variationen eines gemeinsamen Stils eine Einheit. Der Architekt entwarf den Gebäudekomplex im Jugendstil und brachte auch im Inneren entsprechende Gestaltungselemente ein, die heute noch von uns Studis bewundert werden können.

Der westliche Gebäudeteil folgt einem villenähnlichen Innenaufbau. Das Herzstück stellt das Treppenhaus mit elliptisch geführter Treppe dar. Holzverzierungen an Türen und Geländer, Säulenrelief und Stuckverzierungen werden auf dem Weg in die Seminarräume durch Glastüren in die Moderne gehoben. Der kleinere Hörsaal, der sich im schachbrettmuster-gefliesten Keller befindet, ist über eine Wendeltreppe zu erreichen.

Im Gebäudeteil an der Brückenstraße entsteht der Eindruck, in einem Herrenhaus privat unterrichtet zu werden. Mein persönlicher Lieblingsseminarraum (Raum 307) befindet sich im obersten Stock. Die niedrige Decke und die verzierten Fensterrahmen verleihen dem Raum eine gewisse Gemütlichkeit.

Der östliche Teil des Lehrgebäudes erinnert in seinem Aufbau schon an eine öffentliche Einrichtung, wie eben der Sitz einer Versicherungsanstalt. Das Wappen der „Rothenburgischen“, welches das Gebäude früher als Handelshaus auswies, ist heute noch über einem Eingang zu erkennen.
Das Haus hat einen Innenhof, den es rechteckig umschließt. Es gibt mehrere Eingänge, die einem jeweils beim Betreten eine ganz andere Perspektive auf die Räumlichkeiten eröffnen. Als Neuankömmling an unserer Fakultät kann man sich deswegen schon einmal verlaufen. Nach einer Weile hat man aber den Dreh raus.
Hinter jeder Ecke kann man Spielarten des Stils des gesamten Gebäudekomplexes entdecken: ausladende Treppen in Marmoroptik, Kleinere in edlem Holz, ausgefallene Fensterbilder, Holzvertäfelungen und -türen. Statt eines langen Flures mit abzweigenden Räumen, wie in dessen westlichem Teil, besitzt das Gebäude eine Art Vorraum, der zu Büros und Konferenzräumen führt. Daran schließen sich die Gänge, die um den Innenhof führen und einen Korridor zu einigen Seminarräumen darstellen, an.

Das Lehrgebäude G I – willkommen in der Gegenwart

Für alle praktisch veranlagten Studis unserer Fakultät, die mit verspielter Ornamentik nichts anfangen können, bietet der Campus in Görlitz ebenfalls genau das Richtige: Die Lehre im Haus G I.

Um den Forschungs- und Lehrbetrieb anspruchsvoll fortführen zu können, wurde 1995 wegen Platzmangels der Bauantrag für das Lehrgebäude G I eingereicht. Zur Gestaltung des späteren „Hermann-Heitkamp-Hauses“ fand zwei Jahre später ein Architektenwettbewerb statt. Zeitgleich wurde das alte Fabrikgebäude, an dessen Stelle das G I heute steht, abgerissen. 2001 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Heute gehen Studierende, auch unserer Fakultät MK, hier ein und aus und bewundern das moderne Lehrgebäude.

Leitgedanke beim Entwurf der Münchner Architekten Ingrid Burgstaller und Michael Gebhard war es, ein Lehrgebäude mit eindeutigem Hochschulcharakter zu schaffen. Das ist ihnen, wie ich finde, sehr gut gelungen. Der langgezogene Bau fällt durch seine kühle blaue Fassade auf. Das fortschrittliche Erscheinungsbild aber entsteht durch die Gliederung in Öffnungen und Einschnitte, teilweise unterstützt Farb- und Strukturwechsel im Material und durch lange Fensterfronten. Diese unkonventionelle, futuristische Gestaltung sorgt für die Atmosphäre eines Ortes der Forschung, Bildung und des Fortschritts.

Im Inneren des Lehrgebäudes entsteht durch eine in Orange gehaltene offene Treppenhalle ein warmer Eindruck. Zwei Hörsäle befinden sich im westlichen Teil, die Etagen sind teilweise in Form von Balkonen frei gelegt. Im obersten Stock befinden sich zwei Freiluftterrassen- die größere im Osten bietet einen wunderschönen Ausblick über das Neißeufer. Die Architekten wollten mit ihrem Entwurf den Bezug zum Nachbarland Polen thematisieren. Dafür ist der Aufbau des Lehrgebäudes mit Ausrichtung zur Neiße entworfen worden: östlich der Treppenhalle verlaufen die Korridore direkt in Richtung Staatsgrenze.

Die Seminarräume bieten Platz für viele Studenten und sind mit neuster Technik ausgestattet.

Mein Lieblingsraum (Raum 3.02) in diesem Gebäude befindet sich auch hier wieder im obersten Stock. In diesem großen Raum gibt es eine über zwei Seiten langgestreckte Fensterfront mit Blick auf den Campus und die Dächer der umliegenden Wohngebäude. Wenn man Glück hat, kann man von dort aus auch eine Katze beobachten, die dort in einer Regenrinne entlang spaziert.

Welches Gebäude gewinnt den Vergleich?

Mich persönlich verzaubert das Lehrgebäude G II auch nach einem Jahr noch jedes Mal, wenn ich durch die Eingangstür trete. Immer wieder entdecke ich neue Details in der Gestaltung, die die Atmosphäre beim Lernen so besonders machen: Fast könnte man sich einbilden, an einer der traditionellen amerikanischen Universitäten eingeschrieben zu sein.

Das Lehrgebäude G I hingegen lässt uns Studierende der Fakultät MK unsere Zukunft sehen: in dem futuristischen, formellen Gebäude zu lernen, fühlt sich an, als wäre man bereits in einer einflussreichen Position als Manager eines Unternehmens.

Da ich mich für beide Stile begeistern kann, schätze ich die Abwechslung, die sich mir als Studierende der F-MK bietet. Wenn auch du der Meinung bist, dass die Kombination aus historischer und futuristischer Atmosphäre das perfekte Ambiente für ein Studium bietet, dann klicke dich doch gerne mal durch das Studienangebot unserer Fakultät.

redaktioneller Ansprechpartner

Foto: M.A. Sebastian Benad
M.A.
Sebastian Benad
Fakultät Management- und Kulturwissenschaften
Standort 02826 Görlitz
Parkstraße 2
Gebäude G VII, Raum 202
+49 3581 374-4557
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